Soltau. Seit 1954 hat der Reit- und Fahrverein (RuF) Soltau seinen Sitz auf dem Gelände an der Winsener Straße und nutzt seitdem das fünf Hektar große Areal ununterbrochen als Reitanlage und Turnierplatz. Anfang der 1970er-Jahre kamen die Stallanlagen hinzu, in denen bis zu 30 Pferde, davon acht eigene, gehalten werden, sowie die Reithalle und die Gastronomie. Vorstand und Mitglieder unterhalten sie ehrenamtlich aus eigener Kraft, ohne größere kommunale Zuschüsse in Anspruch genommen zu haben.

Ein Schwerpunkt liege in der Nachwuchsarbeit. Das breite Angebot für Kinder und Jugendliche, die 60 Prozent der 200 Mitglieder stellen, ist nach Angaben der Vorsitzenden Dorothea Bockelmann beispielhaft. In der Außenwirkung stehe man gut da. Durch die Ausrichtung von mehreren Meisterschaften genieße der Verein bundesweit einen guten Ruf.

Sind die vorgesehenen Abstandsgrenzen ausreichend?

Das alles könnte durch das geplante Baugebiet mit bis zu 200 Wohnungen infrage gestellt werden, warnt der stellvertretende Vorsitzende Helge Theissen. Das sei alles noch nicht akut, doch der Vorstand befürchtet einen schleichenden Prozess, der einsetzen könnte, wenn die Wohnbebauung zu nah an das Areal heranrückt und die Anlieger eines Tages die durch den Betrieb von der Anlage ausgehenden Geräusche nicht mehr hinnehmen und der Verein seine Aktivitäten zurückfahren müsse. Theissen spricht von vielen kleinen Prozessen, die jeder für sich harmlos seien, in der Summe aber Auswirkungen haben könnten. Grundsätzlich sei man nicht gegen das Projekt, betonen die Vorstandsmitglieder, aber „wir wünschen uns eine grenzfernere Bebauung.“ Die vorgesehenen Abstandsgrenzen seien nicht ausreichend. Noch sei Zeit gegenzusteuern.

Die Problematik sei in den Beteiligungsverfahren für den Bebauungsplan angesprochen worden, doch vieles sei aus Sicht des RuF-Vorstands nicht befriedigend gelöst worden. Deshalb habe man sich zum Gang an die Öffentlichkeit entschieden. „Unsere Belange wurden auch in der zweiten Auslegung des B-Plans nicht angemessen berücksichtigt“, heißt es. Ganz im Gegenteil finde man in den Anlagen zur Planung Hinweise, „dass wir künftig unseren Betrieb einzuschränken haben“.

Davon kann nach Überzeugung der Stadtverwaltung keine Rede sein, und zu dieser Befürchtung bestehe auch kein Anlass. „Wir haben in dem Verfahren Wert darauf gelegt, dass dem Verein kein Nachteil entsteht und es ist auch nicht das Ziel, dem Reit- und Fahrverein Probleme zu machen“, heißt es aus dem Rathaus, wo man von der Kritik und den daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen überrascht ist. Planungsrechtlich sei der Verein geschützt. Alle Festlegungen seien gutachterlich geprüft. vo965887

Autor: Vorwerk Reinhard